Vom Versuch, zu leben - oder dem Gegenteil
Vom Versuch zu leben. Ende Juni 2024.
Verdammt. Die zuverlässige Quelle aus Polen, die noch im
Januar ohne Probleme nach Deutschland verschickte, tut das nun nicht mehr:
„Regulations have changed“.
Nach dem Aufwachen um 06:00 und dem ersten Kaffee gab es nur zwei Ziele: So
viel Zeit wie möglich draußen zu verbringen, schwimmen und gehen und – das
Internet nach totbringenden Stoffen zu durchsuchen.
Seit dem Anfang des Jahres groß durch die Presse gegangen ist, dass sich Menschen quer durch Europa mit Natriumnitrit (einem Stoff, der eigentlich zum Pökeln von Fleisch verwendet wird) selbst suizidieren, scheint die Verfügbarkeit des Salzes äußerst gesunken zu sein: Viele polnische Händler weigern sich nun, den Stoff ins Ausland zu verschicken.
Nachdem ich nach stundenlangen Suchen auf polnischen Ebay-Äquivalenten endlich einen Laden gefunden hatte, der nicht nur bereit war, nach Deutschland zu versenden, sondern mir außerdem die Reinheit des Produkts mit den gewünschten 99% zu bestätigen, beende ich meine Suche.
Zufrieden mit den Ergebnissen meiner morgendlichen Recherche schwinge ich mich auf einen E-Roller, um Richtung Wasser, zur Leine zu fahren. Es ist um 10:30 schon unfassbar heiß, sodass ich mir bald eine geeignete Stelle zum Baden auswähle. Zufrieden packe ich mein Handtuch aus, die Badehose sitzt bereits unter der kurzen. Das Gefühl, im Wasser unterzutauchen, ist unbeschreiblich schön.
Wieder zuhause weiß ich schon, was als nächstes wartet: Die Beschaffung eines verschreibungspflichtigen Anti-Brechmittels. Ich habe hier zwei Varianten zur Verfügung: 1. Meinen Arzt belügen und versuchen, das Rezept auf diese Weise zu erschleichen oder 2., mich wieder in die Abgründe der Suizid-Foren zu begeben und versuchen, Menschen aus Deutschland ausfindig zu machen – ich weiß, wie das beim letzten Mal geendet ist.
Fortsetzung folgt jeden Tag gegen 10 Uhr.
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